Hiermit sende ich Ihnen meine bis auf die einleitenden Bemerkungen über Bamberg vollständigen Manuscripte, nachdem ich sie theils noch einmal revidirt, theils soweit geordnet habe, daß sich die noch übrige Arbeit in künftigem Jahr ohne Zeitverlust anknüpfen lassen wird. Ueber die Möglichkeit, den Stoff wesentlich zu beschränken, bin ich sehr zweifelhaft, sofern nicht die markgräflichen Berichte auch in ihrem erzählenden Theil verkürzt werden sollen, was doch nicht wol angeht. Man wird, fürchte ich, das Interesse des lesenden Publicums etwas außer Acht | setzen müssen, da ohnehin alle diese Sachen ihren Hauptwerth nur für die Specialgeschichte haben.
Mit froher Erwartung sehe ich meiner neuen Thätigkeit entgegen, ich werde am zweiten Feiertag3 von hier nach Bückeburg abreisen. Meine Eltern, die ich ganz wol angetroffen habe, lassen sich Ihnen bestens empfehlen.
Indem ich mich Ihrer geehrten Frau Gemahlin empfehle und noch einmal um Ihr freundliches Andenken bitte,
hochachtungsvollst
Dr. Knochenhauer.
1Ort und Datum stehen am unteren Ende des Briefes, letzte Seite, linksbündig. 2Der hier vorliegende Brief thematisiert die abschließenden Arbeiten des Historikers und (ehemaligen) Mitarbeiters Karl Hegels (1813-1901), Theodor Knochenhauer (1842-1869), bei der Edition der „Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis in 16. Jahrhundert“ im Auftrag der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München, wo er vornehmlich für die Bearbeitung der Chroniken der oberfränkischen Stadt Bamberg zuständig war, die dann erst postum in einer anderen Editionsreihe veröffentlicht wurden; vgl. dazu einführend Kreis, Geschichtswissenschaftliche Bedeutung, S. 170, 237, 239 sowie besonders S. 303 f., Anmerkung 823, sowie zur später erfolgten Edition dieser Bamberger Chroniken Chroust, Knochenhauer, Chroniken Stadt Bamberg, 1. Hälfte; Chroust, Knochenhauer, Chroniken Stadt Bamberg, 2. Hälfte. 3Ostermontag war am 2. April 1866.
Knochenhauer, TheodorTheodor Knochenhauer106801292718421869Knochenhauer, Theodor (1842–1869), hatte in Berlin und Göttingen Philologie, Geschichte sowie Nationalökonomie studiert und war 1863 als Schüler Georg Waitz’ in Göttingen mit seiner Dissertation über die „Geschichte Thüringens in der karolingischen und sächsischen Zeit“ zum Dr. phil. promoviert worden. Nachdem er kurzzeitig als Privatsekretär des Archivars Johann Martin Lappenberg (1794–1865) in Hamburg gearbeitet hatte, legte er 1864/65 das Oberlehrerexamen ab und wirkte eine Zeit lang als Lehrer. 1865 gab er seine Lehrertätigkeit auf und begann, auf Empfehlung Waitz’ als Mitarbeiter Karl Hegels (1813–1901) zuerst in Nürnberg, später in Bamberg Chroniken zu sichten. In den Jahren zwischen 1864 und 1869 stand Theodor Knochenhauer in regem Briefkontakt mit Karl Hegel. In diesen Briefen berichtete er zumeist über den Fortgang seiner Forschungen. Mit nicht ganz 27 Jahren beging er Selbstmord. Hegel, der dem Bearbeiter der Bamberger Chroniken noch zu Lebzeiten zugesagt hatte, „daß sie so lange liegen bleiben“, bis er „zu ihrer Vollendung und Ergänzung abkommen können werde“, hatte wohl aus Gründen der Pietät sich gegen eine Publikation derselben in überarbeiteter Fassung entschieden, so daß diese erst nach Hegels Tod mit dem entgegenkommenden Einvernehmen der Münchener Historischen Kommission in der Publikationsreihe „Fränkische Chroniken“ der Gesellschaft für fränkische Geschichte erscheinen konnten. Sie wurden in der Historischen Zeitschrift positiv rezensiert.
Hegel, KarlKarl Hegel
HiKo
11657075X
Meiningen50.56761,10.4153029Etwa 60 Kilometer südlich von Eisenach und etwa 70 Kilometer nördlich von Schweinfurt gelegene Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Meiningen.
Kreis
, Marion: Karl Hegel. Geschichtswissenschaftliche Bedeutung und wissenschaftsgeschichtlicher Standort (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 84), Göttingen, Bristol, CT, USA 2012.
Kreis
: Geschichtswissenschaftliche Bedeutung
2012
Chroust
, Anton/
Knochenhauer
, Theodor: Chroniken der Stadt Bamberg. 1. Hälfte. Chronik des Bamberger Immunitätenstreites von 1430-1435. Mit einem Urkundenanhang. Nach einem Manuskripte von Th[eodor] Knochenhauer. Neu bearbeitet und hg. von Anton
Chroust
(= Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte. 1. Reihe. Fränkische Chroniken, Bd. 1, 1. Hälfte, postum), Leipzig 1907.
Chroust/Knochenhauer
: Chroniken Stadt Bamberg 1. Hälfte
1907
Chroust
, Anton/
Knochenhauer
, Theodor: Chroniken der Stadt Bamberg. 2. Hälfte. Chronik zur Geschichte des Bauernkrieges in der Markgrafenfehde in Bamberg. Mit einem Urkundenanhang. Bearbeitet und hg. von Anton
Chroust
(= Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte. 1. Reihe. Fränkische Chroniken, Bd. 1, 2. Hälfte, postum), Leipzig 1910.
Chroust/Knochenhauer
: Chroniken Stadt Bamberg 2. Hälfte
1910
Müller, Frieda, verh. Knochenhauer-Müller, Frieda, Ehefrau des Physikers, Pädagogen und ersten Rektors des Meininger Realgymnasiums Karl Wilhelm Knochenhauer (1805–1875).
Knochenhauer, Karl Wilhelm 11625849718051875Knochenhauer, Karl Wilhelm (1805–1875), in Potsdam geborener Pädagoge und Physiker, der im Jahre 1838 erster Rektor des neu gegründeten Realgymnasiums in Meiningen wurde.
Bamberg49.8916044,10.8868478Alte Bischofsstadt in Franken, etwa 60 Kilometer nördlich von Nürnberg an der Mündung der Regnitz in den Main gelegen.
Bückeburg52.2611037,9.0488959Im heutigen Niedersachsen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen (ca. zehn Kilometer von der ostfälischen Stadt Minden) gelegene Kreisstadt (Landkreis Schaumburg); im 17. Jahrhundert war sie Residenzstadt der Grafschaft Schaumburg-Lippe, von 1807 bis 1919 des Fürstentums, später - bis 1946 - Hauptstadt des republikanischen Freistaates.
Professor, ProfeßorBerufs- oder Amtsbezeichnung und Anrede für den Inhaber einer Professur an einer Universität oder Hochschule, wobei nicht jeder Professor eine Professur bekleidet; früher auch Bezeichnung für einen Gymnasiallehrer (Gymnasial-Professor) bzw. Lehrer an einer Lateinschule.
Manuscript, ManuskriptManuskript; Manuskript hier auch bezogen auf die Edition von Stadtchroniken Karl Hegels (1813-1901) im Sinne einer Niederschrift des editionsreifen Textes als Vorlage für den Setzer.
markgräflichAuf einen Markgrafen bezogen, zu einem Markgrafen gehörend, einem Markgrafen zuzuordnen; siehe auch: Markgraf.
SpecialgeschichteAls, eher seltenes, Synonym gebraucht für Heimat-, Lokal- und Regionalgeschichte; auch für die Geschichtswissenschaft im Allgemeinen in Abgrenzung zu geschichtsinteressierten Laien als Rezipierende.
Mehrere Registerverweise
Zitierempfehlung
Die wissenschaftliche Korrespondenz des Historikers Karl Hegel (1813-1901), bearbeitet von Helmut Neuhaus und Marion Kreis