Sie werden überrascht sein, einen dritten Brief von mir zu erhalten. Doch ist er nur durch einen Zufall veranlaßt, und ich beschleunige ihn, um Ihnen doppeltes Schreiben zu ersparen.
Dr. Rapp bittet mich, Sie zu fragen, ob das Citat in einliegendem Brief des Greifswalder Professors3 seine Richtigkeit hat, da er die citierten Acten in hiesigem Archiv nicht finde. Vielleicht ist durch irgendwelchen Irrthum das Bamberger statt des Nürnberger Archivs angeben, wir haben hier aber Band II der Chroniken4 nicht zur Hand. | Die NürnbergerHandschrift des Culmbacher Berichts ist mir jetzt zugegangen, sie verhält sich zur hiesigen wie eine verkürzte Bearbeitung. Die hiesige, aus dem Plassenberger Archiv, dürfte Original oder früheste Abschrift sein, und ich vermuthe, daß die Berliner Handschriften mit den Nürnberger auf gleicher Linie stehen. Doch zögere ich noch mit der Abschrift, wenigstens bis ich den Druck (Baireuth 1853) eingesehen habe.
Hochachtungsvoll ergeben Dr. Knochenhauer.
1Ort und Datum stehen am unteren Ende des Briefes, letzte Seite, linksbündig. 2Der hier vorliegende Brief thematisiert die Arbeiten des Historikers Theodor Knochenhauer (1842-1869), der zuvor als Lehrer in Meiningen wirkte, als Mitarbeiter bei der Edition der „Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis in 16. Jahrhundert“ im Auftrag der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München, wo er vornehmlich für die Bearbeitung der Chroniken der oberfränkischen Stadt Bamberg zuständig war, die dann erst postum in einer anderen Editionsreihe veröffentlicht wurden; vgl. dazu einführend Kreis, Geschichtswissenschaftliche Bedeutung, S. 170, 237, 239 sowie besonders S. 303 f., Anmerkung 823, und zur später erfolgten Edition dieser Bamberger Chroniken Chroust, Knochenhauer, Chroniken Stadt Bamberg, 1. Hälfte; Chroust, Knochenhauer, Chroniken Stadt Bamberg, 2. Hälfte. 3Erwähnter Brief nicht beiliegend. 4Vgl. dazu Nürnberg, Bd. 2.
Knochenhauer, TheodorTheodor Knochenhauer106801292718421869Knochenhauer, Theodor (1842–1869), hatte in Berlin und Göttingen Philologie, Geschichte sowie Nationalökonomie studiert und war 1863 als Schüler Georg Waitz’ in Göttingen mit seiner Dissertation über die „Geschichte Thüringens in der karolingischen und sächsischen Zeit“ zum Dr. phil. promoviert worden. Nachdem er kurzzeitig als Privatsekretär des Archivars Johann Martin Lappenberg (1794–1865) in Hamburg gearbeitet hatte, legte er 1864/65 das Oberlehrerexamen ab und wirkte eine Zeit lang als Lehrer. 1865 gab er seine Lehrertätigkeit auf und begann, auf Empfehlung Waitz’ als Mitarbeiter Karl Hegels (1813–1901) zuerst in Nürnberg, später in Bamberg Chroniken zu sichten. In den Jahren zwischen 1864 und 1869 stand Theodor Knochenhauer in regem Briefkontakt mit Karl Hegel. In diesen Briefen berichtete er zumeist über den Fortgang seiner Forschungen. Mit nicht ganz 27 Jahren beging er Selbstmord. Hegel, der dem Bearbeiter der Bamberger Chroniken noch zu Lebzeiten zugesagt hatte, „daß sie so lange liegen bleiben“, bis er „zu ihrer Vollendung und Ergänzung abkommen können werde“, hatte wohl aus Gründen der Pietät sich gegen eine Publikation derselben in überarbeiteter Fassung entschieden, so daß diese erst nach Hegels Tod mit dem entgegenkommenden Einvernehmen der Münchener Historischen Kommission in der Publikationsreihe „Fränkische Chroniken“ der Gesellschaft für fränkische Geschichte erscheinen konnten. Sie wurden in der Historischen Zeitschrift positiv rezensiert.
Hegel, KarlKarl Hegel
HiKo
11657075X
Bamberg49.8916044,10.8868478Alte Bischofsstadt in Franken, etwa 60 Kilometer nördlich von Nürnberg an der Mündung der Regnitz in den Main gelegen.
Kreis
, Marion: Karl Hegel. Geschichtswissenschaftliche Bedeutung und wissenschaftsgeschichtlicher Standort (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 84), Göttingen, Bristol, CT, USA 2012.
Kreis
: Geschichtswissenschaftliche Bedeutung
2012
Chroust
, Anton/
Knochenhauer
, Theodor: Chroniken der Stadt Bamberg. 1. Hälfte. Chronik des Bamberger Immunitätenstreites von 1430-1435. Mit einem Urkundenanhang. Nach einem Manuskripte von Th[eodor] Knochenhauer. Neu bearbeitet und hg. von Anton
Chroust
(= Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte. 1. Reihe. Fränkische Chroniken, Bd. 1, 1. Hälfte, postum), Leipzig 1907.
Chroust/Knochenhauer
: Chroniken Stadt Bamberg 1. Hälfte
1907
Chroust
, Anton/
Knochenhauer
, Theodor: Chroniken der Stadt Bamberg. 2. Hälfte. Chronik zur Geschichte des Bauernkrieges in der Markgrafenfehde in Bamberg. Mit einem Urkundenanhang. Bearbeitet und hg. von Anton
Chroust
(= Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte. 1. Reihe. Fränkische Chroniken, Bd. 1, 2. Hälfte, postum), Leipzig 1910.
Chroust/Knochenhauer
: Chroniken Stadt Bamberg 2. Hälfte
1910
Die Chroniken der deutschen Städte
vom 14. bis in’s 16. Jahrhundert, hg. durch die Historische Commission bei der Königl. Academie der Wissenschaften von Karl
Hegel
, Bd. 2, Die Chroniken der fränkischen Städte, Nürnberg, bearb. von Theodor
Kern
, Friedrich von
Weech
und Matthias
Lexer
, Bd. 2, Leipzig 1864. (http://books.google.de/books?id=bcgFAAAAQAAJ , https://dlibra.bibliotekaelblaska.pl/dlibra/publication/59549/edition/55552 )
Chroniken der deutschen Städte
, Bd. 2, Nürnberg, Bd. 2
1864
Rapp, Georg13692863318191893Rapp, Georg (1819–1893), Archivar, war von 1866 bis 1872 Archivvorstand des königlichen Archivs in Bamberg.
Professor, ProfeßorBerufs- oder Amtsbezeichnung und Anrede für den Inhaber einer Professur an einer Universität oder Hochschule, wobei nicht jeder Professor eine Professur bekleidet; früher auch Bezeichnung für einen Gymnasiallehrer (Gymnasial-Professor) bzw. Lehrer an einer Lateinschule.
Bamberger, BambergischZu Bamberg gehörend, auf Bamberg bezogen, Bamberg zuzuordnen.
Staatsarchiv Bamberg1812 zunächst gegründetes Außenarchiv des königlichen allgemeinen Reichsarchivs in München mit den Beständen des ehemaligen Hochstifts Bamberg sowie als weitere wichtigste Überlieferungsbildner neben dem Hochstift die Bestände des Markgrafentum Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth, der reichsunmittelbaren Reichsritterschaft (Kantone Gebirg und Steigerwald) und den Fränkischen Reichskreises; zwischen 1813 bis 1818 kamen noch die Bestände des ehemaligen preußischen Fürstentums Bayreuth hinzu und das sogenannte, auf das alte fränkische Adelsgeschlecht Plassenberg zurückgehende Plassenberger Archiv („Geheimes Hausarchiv Plassenburg“); seit 1852 hieß es königliches Archivkonversatorium, seit 1875 königliches Kreisarchiv Bamberg, seit 1921 Staatsarchiv.
Staatsarchiv NürnbergDas Staatsarchiv Nürnberg, wie es seit 1970 heißt (zuvor: 1806 Königlich Bayerisches Archiv; 1852 Archivkonservatorium, 1875 Kreisarchiv, 1921 Bayerisches Staatsarchiv) ist aus dem Archiv der Reichsstadt Nürnberg hervorgegangen, das 1806 an den bayerischen Staat fiel.
Nürnberger, NürnbergischZu Nürnberg gehörend, Nürnberg betreffend, Nürnberg bezeichnend etc.
Chronik(en), Chroniken der deutschen Städte (Städtechroniken), chronikalische DenkmälerEdition „Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert“, von 1862 bis 1899 hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften durch Karl Hegel (1813-1901); auch allgemein: auf die Antike zurückgehende geschichtliche Darstellung, in der die Ereignisse in zeitlich genauer Reihenfolge, dabei aber, im Gegensatz zu den formal strengeren Annalen, in größeren Zeitabschnitten aufgezeichnet werden, auch im Sinne von: Lebensläufen.
Original(e), Originalhandschrift(en); OriginalienUrsprüngliche handschriftliche Quelle(n); Originalschriften; Originalwerk (z. B. literarisches Werk etc.).
AbschriftAbgeschriebener Text, Duplikat bzw. Kopie, häufig auch als Hilfsmittel im Rahmen einer historisch-kritischen Edition gebräuchlich bzw. als Textgrundlage einer Edition für die Drucklegung.
Berliner, BerlinerinZu Berlin gehörend, auf Berlin bezogen, Berlin zuzuordnen; in Berlin bzw. Preußen lebende, arbeitende und sich damit entsprechend (preußisch) identifizierende Menschen – auch im politischen (kleindeutschen) Sinne.
Druck, Drucke„Druck“ als Abkürzung oder Synonym für Drucklegung gebraucht, darüber hinaus auch für ein fertiges Druckerzeugnis (z. B. Kunstdruck, gedruckte Edition einer handschriftlichen Quelle etc.) stehend, somit auch im Sinne von „alte Drucke“.
Mehrere Registerverweise
Zitierempfehlung
Die wissenschaftliche Korrespondenz des Historikers Karl Hegel (1813-1901), bearbeitet von Helmut Neuhaus und Marion Kreis