Ihren freundlichen Brief2 erhielt ich als ich gerade in die Eisenbahn steigen wollte um nach Göttingen zu eilen und mir eine Wohnung zu miethen. Und das beantwortet ja Ihre eine Frage. In vieler Beziehung wollte ich die Antwort könnte anders lauten, denn nicht leicht und leichtsinnig bin ich hier weggezogen. Aber die Lage der hiesigen Dinge und die Complication der Verhältniße hat es so gut wie unvermeidlich gemacht. Und nun denke und hoffe ich, daß es doch auch in Göttingen zu guter und nützlicher Thätigkeit Raum geben soll. Ich mache mir keine Illusion über große Mängel und Gebrechen welche da sind und die ich durch eigene Anschauung eben wieder kennen gelernt habe.
Aber Göttingen muß doch aus seiner Abgestorbenheit heraus und tüchtige Männer sind deucht mich dort thätig um es zu erzielen, denen man sich mit Freuden anschließen darf. Die Regierung, das heißt einzelne Leute in Hannover, sind entschloßen das Ihrige zu thun, und sollte ich hin gehen, so ist mir Göttingen so lieb und recht wie jeder andere Ort. Ja ich hoffe auf die Möglichkeit, für die Historie, da diese seit Heeren's Tod doch ziemlich verwaist ist, überhaupt etwas thun zu können denn trotz allen Unsegens den man auf Göttingen gehäuft hat werden wenige Deutsche Universitäten sein, die sich dazu so eignen.
Was dann die Hauptsache Ihrer Anfrage betrifft, so will ich gerne sagen, was ich weiß und auch was ich denke, muß aber vorbemerken, daß es schwerlich ausreichend sein kann um Ihren Entschluß zu bestimmen.
Daß der lebhafteste und gerechteste Wunsch herrscht Beseler für die Schleswigsche Ständeversammlung zu whaelen hier und anderswo im Deutschen Vaterlande, ist groß genug, und ich glaube auch daß die begonnenen Bewegungen die ... dazu aufbringen können. Freilich hat der erste Versuch einer … keinen großen Erfolg gehabt und auch Tiedemanns neuer Einspruch3 weder sehr gefallen noch viel gewirkt. Olshausen bereitet die neue Lectio der Sache wie ich höre ernstlich vor, und daß man dann vielerseits geneigt sein wird hier das Möglichste zu thun, unterliegt doch keinem Zweifel; und der Erfolg ist wohl ziemlich sicher, wenn namentlich auch die Ritterschaft sich betheiligte. Dies wird aber wenigstens erwartet. Das Zutreten der andern deutschen Gaue wird dann sehr unterstützend sein, und somit kann der Sache eine Thätigkeit auch in Ihrer Gegend und hier sehr förderlich gelten. – Ich für meine Person würde freilich immer noch der Meinung sein, daß Beseler sehr Grund hätte zu bedenken, ob er seine bisherige Stellung als Anwalt ganz aufgeben will um eines Plahns willen in so wenig mit Rechten ausgestatteten Ständen wie die unsrigen sind und ohne sonst ein neues Feld für seine Wirksamkeit zu gewinnen. Auch ist er selbst wohl lange zweifelhaft gewesen. Da er sich aber jetzt, wie man hört, entschloßen hat auf die Sache einzugehen, so kann dies ja für die Hauptfrage nicht weiter in Betracht kommen. – Was übrigens Ihre Zweifel betrifft, als würde man eine Theilnahme des ganzen Deutschlands hier nicht gerne sehen und die Sache lieber allein ausrichten, so muß ich doch noch ausdrücklich gerade das Gegentheil bemerken; man wird sich hier wie immer freuen wenn die Landessache der einer allgemein deutschen vorsthend, und manche Patrioten möchte es wohl geben, die es ganz gerne sähen, wenn Deutschland die Angelegenheit allein abmache.
Wie ich aber höre, ist die Aufforderung zur Teilnahme hier aber in diesen Tagen ergangen und hat in unserm Buchmannsstand4 guten Fortgang gehabt; sonst habe ich die Furcht nicht ganz laßen können, daß die Resultate den Erwartungen und Wünschen nicht recht entsprechen würden, und noch vor wenigen Tagen hätte ich Ihnen in dieser Beziehung nicht die besten Aussichten melden mögen. Was ich aber zuletzt höre, bald günstiger. Aber neue Leute in Schleswig und andere für die einzelnen Städte schworen sich der Sache lebhaft anzunehmen, und von verschiedenen Seiten wird guter Fortgang berichtet. Wollen Sie vorsichtig zu Werke gehen, so dürfen Sie vielleicht noch eine kurze Zeit warten: dann muß sich der Gang der Sache ziemlich herausstellen. Aber jeder neue Theil ist auch ein neuer Impuls für die welche schon tätig sind.
Die Summe meiner Ansicht ist, daß ich Bedenken getragen hätte zu dieser Sache den Anstoß zu geben, daß aber nachdem sie begonnen es allerdings kläglich und traurig wäre, wenn sie zu Wasser ginge. – Olshausen einer unserer patriotischen Männer äußerlich unabhängig wohl, scheint mir in diesem und in jedem Fall sehr wünschenswerth; weniger daß man hier durch bestimmte Werke zu ganz bestimmten Schritten veranlaßen will und erst dann und insoweit urtheilt wann man sie dafür oder dafür zu brauchen glaubt. Hier sollte eine große deutsche Hand fehlen für solche und ähnliche Hände. Aber freilich der Gustav Adolf … lehrt wie wenig wir uns nun einigen können, wenn es gilt Almosen zu geben.5 Und wie dann sollte es sein in höheren Regionen oder in denen wo die politische Sorge der Regierungen eintreten würde?
Ihren zweiten Band habe ich eben erhalten, aber noch nicht auch nur die Abschnitte lesen können die mich am nächsten intereßiren. Aber ich komme nächstens dazu.